- Falleinbringung 5–10 Min.
- Rückfragen 5–10 Min.
- Hypothesen 10 Min.
- Stellungnahme 5 Min.
- Beratung 15–20 Min.
- Feedback 5 Min.
- Auswertung 10 Min.
Erstellt für Supervision Rheinland — Workshop OGS, März 2026
Ein strukturierter Reflexionsprozess in 7 Schritten
ca. 60–75 Minuten1. Schritt: Der Fall kommt auf den Tisch
5–10 MinutenDer/die Fallgeber/in schildert eine berufliche Situation, die sie beschäftigt. Dies kann ein Konflikt, eine schwierige Entscheidung oder eine Frage aus dem Arbeitsalltag sein.
Beschreiben Sie die Situation möglichst konkret: Was ist passiert? Wer war beteiligt? Was genau beschäftigt Sie daran? Formulieren Sie am Ende eine Frage an die Gruppe — das hilft, die Beratung zu fokussieren.
Sie müssen nicht alles perfekt erzählen. Beschränken Sie sich auf das Wesentliche — die Rückfragen-Phase dient dazu, den Fall weiter zu vertiefen. Achten Sie darauf, bei den Fakten zu bleiben und nicht schon in Deutungen zu gehen.
2. Schritt: Verständnis vertiefen
5–10 MinutenDie Beratenden stellen Verständnisfragen, um den Fall besser zu verstehen. Es geht darum, ein möglichst klares Bild der Situation zu bekommen.
Stellen Sie offene Fragen zu Fakten, Zusammenhängen und Hintergründen: „Wie war das genau?" — „Wer war noch beteiligt?" — „Seit wann besteht die Situation?" — „Was haben Sie bisher versucht?"
Keine Suggestivfragen, keine versteckten Ratschläge. Nicht: „Haben Sie schon mal versucht, einfach...?" — Das gehört in Phase 5. Der/die Fallgeber/in beantwortet die Fragen, ohne sich rechtfertigen zu müssen.
3. Schritt: Erste Deutungen formulieren
10 MinutenDie Beratenden formulieren Hypothesen und Vermutungen über die Situation. Was könnte dahinterstecken? Welche Dynamiken könnten eine Rolle spielen?
„Es könnte sein, dass…" — „Vielleicht spielt eine Rolle, dass…" — „Mein Eindruck ist, dass…" — „Möglicherweise hängt das zusammen mit…"
Der/die Fallgeber/in schweigt in dieser Phase und macht sich ggf. Notizen. Keine Diskussion, keine Richtigstellung. Das stille Zuhören eröffnet neue Perspektiven, die im Dialog nicht entstehen würden.
Verschiedene und sogar widersprüchliche Hypothesen sind ausdrücklich erwünscht. Es gibt kein richtig oder falsch — es geht um Perspektivenvielfalt.
4. Schritt: Auftrag präzisieren
5 MinutenDer/die Fallgeber/in reagiert auf die Hypothesen und kann den Beratungsauftrag an die Gruppe nochmals präzisieren. Diese Phase ist das Scharnier zwischen Verstehen und Beraten.
Teilen Sie mit: Welche Hypothesen haben Sie angesprochen? Was war überraschend? Was trifft zu, was weniger? Formulieren Sie dann Ihren konkreten Auftrag: „Ich wünsche mir von euch Ideen zu…"
Je klarer der Auftrag, desto gezielter kann die Gruppe beraten. Oft verändert sich die ursprüngliche Frage durch die Hypothesen — das ist ein Zeichen guter Beratung, nicht ein Problem.
5. Schritt: Lösungsideen entwickeln
15–20 MinutenDie Beratenden entwickeln gemeinsam Lösungsideen, Handlungsoptionen und konkrete Vorschläge — orientiert am Auftrag des/der Fallgeber/in aus Phase 4.
Denken Sie kreativ und vielfältig. Bauen Sie auf den Ideen der anderen auf. Formulieren Sie konkrete Vorschläge: „Du könntest versuchen…" — „Eine Möglichkeit wäre…" — „Was, wenn du…"
Der/die Fallgeber/in hört zu und notiert, was anspricht. Auch ungewöhnliche oder mutige Ideen sind willkommen — manchmal ist gerade der überraschende Vorschlag der hilfreichste.
6. Schritt: Was nehme ich mit?
5 MinutenDer/die Fallgeber/in gibt der Gruppe eine persönliche Rückmeldung zur Beratung. Was war hilfreich? Was nimmt er/sie mit?
Was war besonders hilfreich? Welcher Vorschlag hat mich am meisten angesprochen? Was möchte ich als Nächstes ausprobieren? Was hat mir weniger geholfen — und warum?
Hören Sie dem Feedback aufmerksam zu. Es hilft Ihnen, Ihre eigene Beratungskompetenz weiterzuentwickeln. Auch kritisches Feedback ist wertvoll — es zeigt, worauf Sie beim nächsten Mal achten können.
7. Schritt: Gemeinsam reflektieren
10 MinutenDie gesamte Gruppe reflektiert gemeinsam den Beratungsprozess. In dieser Phase geht es nicht mehr um den Fall, sondern um das gemeinsame Lernen über die Methode.
Wie hat der Prozess für uns funktioniert? Was war hilfreich an der Struktur? Was können wir beim nächsten Mal verbessern? Wie ging es uns in unseren Rollen?
Nehmen Sie sich diese Reflexion bewusst vor — sie ist der Schlüssel dazu, dass das Team die Methode langfristig gut nutzen kann. Hier teilen auch die Beobachter/innen ihre Wahrnehmungen.
Durch den Prozess führen
Sie führen die Gruppe durch alle 7 Phasen und achten darauf, dass die Regeln eingehalten werden. Sie sind verantwortlich für den Ablauf — nicht für den Inhalt.
Verteilen Sie die Rollen. Legen Sie die Phasenkarten in der richtigen Reihenfolge bereit. Klären Sie offene Fragen zum Ablauf. Stellen Sie sicher, dass alle die Grundregeln kennen.
In Phase 3 (Hypothesen) und Phase 5 (Beratung): Stellen Sie sicher, dass der/die Fallgeber/in nicht unterbrochen wird. In Phase 2: Greifen Sie ein, wenn Ratschläge als Fragen getarnt werden.
Seien Sie freundlich, aber bestimmt. Nutzen Sie die Karten, um den Phasenwechsel sichtbar zu machen. Fragen Sie am Ende jeder Phase: „Können wir zur nächsten Phase übergehen?"
Einen Fall einbringen
Sie bringen einen Fall aus Ihrer beruflichen Praxis ein, zu dem Sie sich Beratung wünschen. Das kann ein Konflikt, eine offene Frage oder eine schwierige Situation sein.
Überlegen Sie sich vorab: Welche Situation beschäftigt mich? Was ist meine zentrale Frage? Wer war beteiligt? Was habe ich bisher versucht?
Sprechen: Phase 1 (Fall schildern), Phase 2 (Fragen beantworten), Phase 4 (Stellungnahme), Phase 6 (Feedback).
Nur zuhören: Phase 3 (Hypothesen) und Phase 5 (Beratung). Das stille Zuhören ist ungewohnt, aber besonders wertvoll.
Sie müssen nicht alles perfekt formulieren — die Rückfragen-Phase hilft, den Fall zu klären. Machen Sie sich in Phase 3 und 5 Notizen, damit Sie nichts vergessen.
Die Zeit im Blick
Sie behalten die Zeit im Blick und geben der Gruppe rechtzeitig Bescheid, wenn eine Phase sich dem Ende nähert. Sie unterstützen damit den/die Moderator/in.
| 1. Falleinbringung | 5–10 Min. |
| 2. Rückfragen | 5–10 Min. |
| 3. Hypothesen | 10 Min. |
| 4. Stellungnahme | 5 Min. |
| 5. Beratung | 15–20 Min. |
| 6. Feedback | 5 Min. |
| 7. Auswertung | 10 Min. |
| Gesamt | ca. 60–75 Min. |
Geben Sie ein diskretes Signal bei 2 Minuten Restzeit. Die Beratungsphase (Phase 5) braucht die meiste Zeit — lassen Sie hier Raum. Unterstützen Sie den/die Moderator/in bei der Zeitplanung.
Den Prozess begleiten
Sie beobachten den Beratungsprozess von außen und achten darauf, wie die Gruppe zusammenarbeitet. Ihre Perspektive ist besonders wertvoll, weil Sie den Prozess nicht inhaltlich mitgestalten.
Werden die Phasen eingehalten? Wie ist die Gesprächsatmosphäre? Fühlt sich der/die Fallgeber/in gehört? Gibt es Momente, in denen die Gruppe vom Thema abweicht? Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Formulieren Sie Ihre Rückmeldung wertschätzend und konkret: „Mir ist aufgefallen, dass…" — „Ich fand es gelungen, als…" — „An einer Stelle hatte ich den Eindruck, dass…"
Machen Sie sich während des Prozesses kurze Notizen. So können Sie in Phase 7 konkret berichten. Ihre Außenperspektive hilft der Gruppe, blinde Flecken zu erkennen und den Prozess weiterzuentwickeln.